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Stadtleben oder Landleben? Lohnt sich das Pendeln?

Stadtleben oder Landleben? Lohnt sich das Pendeln?

„Stadtluft macht nicht immer frei“. Mit dieser Schlagzeile spricht die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus, was inzwischen viele Wohnungssuchende denken. Seit vielen Jahren zieht es vor allem junge Menschen in die Stadt, weil dort Arbeitsplätze oder besseren Ausbildungsmöglichkeiten, Kultur- und Freizeitangebote locken. Doch das Leben in der Stadt ist teuer und eng geworden, die Luft ist schlecht, es ist laut und hektisch. Reichen diese Gründe, um sich wieder in Richtung Land zu orientieren?

Es klingt allzu verlockend: Auf dem Land gibt es große Wohnungen zu günstigem Preis, Häuser stehen sogar leer und warten auf neue Bewohner. Dem steht die verbreitete Strukturschwäche entgegen – fehlende Verkehrsanbindung, mangelhafte Versorgung mit Läden, Ärzten, Schulen, Kindergärten und vielerorts unzureichende Internetverbindungen.

Wer neuen Wohnraum sucht, muss Chancen und Risiken abwägen und gut rechnen. Am Beispiel Berlin wird deutlich, was das heißt: In der Hauptstadt haben die Quadratmeterpreise für Wohneigentum stark angezogen. Der Quadratmeter Wohnfläche kostete im vergangenen Jahr durchschnittlich 3.676 Euro. Das Umland ist viel günstiger. Aber dafür fallen längere Arbeitswege an, die auch Kosten verursachen. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat eine Modellrechnung entwickelt und die jährlichen Kosten für das Pendeln beziffert.

Verglichen wurde jeweils der Kauf einer durchschnittlich teuren 70-Quadratmeter-Wohnung in Berlin und in den Umlandkreisen. In die Rechnung einbezogen wurden die Kosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für den Arbeitsweg. Daraus ergab sich, dass der Kaufpreisvorteil beispielsweise in Falkensee, Landkreis Havelland, erst nach 28,9 Jahren aufgebraucht ist. Bei täglicher Fahrt mit dem Auto aber schon nach 12,0 Jahren. Ist der Weg länger, schrumpft der Kaufpreisvorteil bei der Nutzung öffentlicher Verkehrmittel auf knapp zehn Jahre, aber auf nur 4,5 Jahre bei der täglichen Fahr mit dem Auto.

In Großstädten fehlen fast zwei Millionen Wohnungen

Die teuren Mieten und hohen Immobilienpreise haben einen einleuchtenden Grund: Das Angebot ist knapp. In den 77 deutschen Großstädten fehlen gut 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen, darunter etwa 1,4 Millionen günstige Apartments unter 45 Quadratmetern für Einpersonenhaushalte. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie.

In der Untersuchung haben Stadtsoziologen die Einkommen von Großstadthaushalten und das Angebot an Mietwohnungen miteinander verglichen. Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten der lokalen Bevölkerung besteht ein besonders großer Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den einwohnerstarken Städten mit vielen Niedrigverdienern, zum Beispiel in Berlin, Leipzig und Dresden. Aber auch in Großstädten mit hohem Mietniveau wie München, Stuttgart oder Düsseldorf fehlen bezahlbare Wohnungen.

Konkret fehlen in Berlin rund 310.000 bezahlbare Wohnungen – das ist bundesweit der Spitzenwert. Es folgen Hamburg mit einer Lücke von 150.000, Köln mit 86.000 und München mit 78.000 Wohnungen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Versorgungslücke trotz derzeit stärkerer Neubautätigkeit weiter wachsen wird.

Vier von 10 Großstadt-Haushalten müssen über 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Bruttokaltmiete – inklusive Nebenkosten, ohne Heizkosten – aufbringen. Bei Immobilienexperten gilt eine Mietbelastungsquote oberhalb von 30 Prozent des Haushaltseinkommens als problematisch. Auch viele Vermieter ziehen hier eine Grenze, weil sie zweifeln, dass Mieter sich ihre Wohnung dauerhaft leisten können.

Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Haushalte mit unterdurchschnittlichem Einkommen. Für Haushalte mit höheren Einkommen ist es leichter eine geeignete Wohnung zu einem akzeptablen Preis zu finden. Das gelingt aber oft nur noch, wenn Abstriche bei Lage, Wohnqualität oder Größe der Wohnung gemacht werden. Haushalte mit höheren Einkommen haben zusätzlich die Möglichkeit, auf das Angebot von Wohneigentum zurückgreifen.

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